Frühkindliche Verlustängste

Frühe Verlustängste können Folgen für das restliche Leben haben. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Grundsätzlich ist Angst etwas Gutes. Sie warnt uns vor Gefahren und lässt uns in bestimmten Situationen vorsichtig werden. Wissenschaftler vermuten, dass der Mensch nicht nur ab dem Zeitpunkt seiner Geburt mit Ängsten konfrontiert ist, sondern bereits weit vorher. Manche Ängste tauchen in unterschiedlicher Ausprägung bei allen Kindern auf. Dazu gehört zum Beispiel Angst vor Dunkelheit, Alleinsein oder lauten Geräuschen. Auch die Trennungs- oder Verlustangst ist normal – bis zu einem gewissen Grad.

Fehlender Blickkontakt kann bei Babys Trennungsangst auslösen

Ein Säugling hält sich für einen Teil seiner Mutter. Beginnt er zu begreifen, dass er unabhängig von ihr existiert, macht diese Erkenntnis erst einmal unsicher. Das Baby wird extrem anhänglich, beginnt zu weinen, wenn es die Mutter nicht mehr sieht. Schließlich weiß das Kind nicht, ob die Bezugsperson wiederkommen wird. „Kinder erleben das ‚Verschwinden‘ der Bezugsperson kognitiv als realen Verlust, das heißt, sie müssen erst lernen, dass diese Person nicht auf Dauer verloren ist“, erklärt Professor Werner Stangl vom Institut für Pädagogik und Psychologie der Johannes Kepler Universität in Linz. „Hier genügt schon der Verlust des Blickkontaktes, um Angst auszulösen. Wiederholte Trennung von der Bindungsperson belasten jedes Kind emotional, was auch physiologisch nachweisbar ist.“ Je enger das Kind an eine Person gebunden ist, desto stärker fällt auch die Angst aus.

Je weniger Bezugspersonen, desto ausgeprägter die Angst

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass es Kulturen gibt, in denen das bei uns so typische Fremdeln so gut wie gar nicht stattfindet. Man vermutet, dass dahinter die sehr engen Einzelbeziehungen zwischen Mutter und Kind stecken, in denen unsere Kinder oft aufwachsen. Trotzdem: Weltweit muss jedes Baby erst lernen, Vertrauen zu entwickeln. Im Lauf der Zeit gewinnt es an Sicherheit.

Auch, wenn sich Zweijährige riesig aufregen können, wenn man sie einem anderen überlässt, es ist meist mehr Protest als Angst. Sie beruhigen sich in der Regel schnell, denn es ist ihnen klar, dass die Eltern wiederkommen werden. Ein Kind hat in diesem Alter bereits Erfahrung zu verbuchen. Es hat Vertrauen gefasst und erste Ängste schon überwunden. „Verlustangst setzt ja eine schon erfolgte Bindung beziehungsweise auch die Bindungsfähigkeit voraus und tritt in der Regel erst dann auf, wenn eine bestehende Bindung gefährdet erscheint, etwa durch eine andere Person.

Wobei sich Verlustangst auch als Eifersucht ausdrückt.“ Nach zweieinhalb bis drei Jahren verschwindet die frühkindliche Trennungsangst normalerweise. Bis dahin sollte das Kind – möglichst in kleinen Schritten – gelernt haben, sich für eine gewisse Zeit von vertrauten Personen zu trennen. Der Psychologieprofessor weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es wichtig sei, „dass die Trennung als etwas erlebt wird, was nicht die Beziehung beeinträchtigt.“

Quelle: t-online

 

Anmerkung: Dieser Artikel trifft für alle Kinder zu.  Heimkinder in diesem Alter sind dabei besonders gefährdet und haben auch oft psychische Störungen die darauf zurückzuführen sind. Da kommen dann die Bindungsstörungen besonders zum tragen. In diesem Zusammenhang möchte ich ich auf den Artikel von Frau Irmala Wiemann hinweisen. Diesen finden Sie hier.