Heimkinder gesucht

Es gibt Tage, da kommt bei Mike Nelde alles wieder hoch. Die ganzen elf Jahre, die er in seiner Kindheit und Jugend im Heim verbracht hat. Die Es gibt Tage, da kommt bei Mike Nelde alles wieder hoch. Die ganzen elf Jahre, die er in seiner Kindheit und Jugend im Heim verbracht hat. Die Situationen, in denen er geschlagen wurde oder im Keller eingesperrt. Der Gedanke an die „Erzieher“ von damals, die in seinen Augen keine Menschen waren, sondern Gefahren, gottähnliche Wesen mit Allmacht. All seine verzweifelten Fluchtversuche. „Ich bin tausendmal abgehauen, aber immer wieder von der Polizei eingefangen worden“, sagt der 42-Jährige, der heute als Malermeister Farbenfalter und mit seinen riesigen Seifenblasen in der ganzen Stadt bekannt ist.

Und der irgendwie mit seiner Vergangenheit klarkommen muss. „Verdrängen hat keinen Sinn“, sagt er. Also redet er offen darüber. Von Freunden und Bekannten erhält er durchaus Empathie. „Aber so richtig begreifen können das wahrscheinlich nur Menschen, die es selbst erlebt haben“, sagt Mike Nelde. Deshalb hat er sich auf die Suche gemacht. Auf die Suche nach Menschen, die zwischen Mauerbau und Mauerfall, zwischen 1961 und 1989, ihre Kindheit oder Teile davon im Heim verbracht haben. Doch diese Suche ist schwer: „Viele sind auf die schiefe Bahn geraten, sitzen im Knast oder sind sogar schon tot.“ Andere trauen sich nicht, über ihr Schicksal zu sprechen. Oder Mike Nelde findet sie nicht, weil sie seine Kanäle – Sächsische Zeitung, MDR, Facebook – überhaupt nicht nutzen.

Quelle: SZ- Online

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