Skip to content

Deprivationssyndrom

4 Jahren ago

560 words

Der Mensch ist eine physiologische Frühgeburt (wie es mal ein bekannter Psychologe ausgedrückt hat), das heißt er kommt eigentlich (im Vergleich zu anderen Primaten, Säugern) ein Jahr zu früh auf die Welt. Das heißt seine Instinktausstattung ist kaum vorhanden und er kommt gerade nicht als „fertiger Mensch“ auf die Welt.

Die späteren Möglichkeiten des Denkens und seines Fühlens entwickeln sich erst in den ersten Lebensjahren und dies vor allem in der engen Interaktion mit einer ausschließlich ihm zu gewandten Mutterperson. Hier wird das Fundament für die spätere Persönlichkeit gelegt, in einer Zeit in der wir erst langsam lernen zu denken, zu sprechen und den aufrechten Gang zu lernen. Das erste Lebensjahr ist entscheidend, gibt es da keine Mutterperson (muss nicht die eigene sein) sondern etwa einen Aufenthalt in der Massenpflege (Säuglingsheim etc.) führt das mit hoher Wahrscheinlichkeit zu irreversiblen (manche sagen auch, reversibel bis zum 3. Lebensjahr) Schädigungen der Persönlichkeitsentwicklung dieses Menschen, die ihn unter Umständen ein Leben lang begleiten können.

Die Symptome des Hospitalismus sind je nach Grad der Extrem Beispiel: Kinder ohne seelische Zuwendung (bei gesunder Ernährung) sterben (anaklitische Depression, Rene Spitz). In der DDR gab es ein „schönes“ Wort für solche verhaltensauffälligen Kinder: familiengelöste Kinder). Deprivation (meint: Entbehrung, zumeist im Sinne von Entbehrung der Mutterperson, maternal Deprivation, John Bowlby, der Vater der Bindungstheorie) verschieden: so genannte Jaktationen capitis, mit dem Kopf hin und her schlagen im Schlaf, bis ins Erwachsenenalter), Bindungsunfähigkeit, (und das genaue Gegenteil: wahllose aber nicht „wirkliche“, das heißt emotional involvierte Kontakte zu jedermann) etc.

Die Bindungstheorie hat in diesem Zusammenhang eine plausible Erklärungsfolie für die sozialen und psychischen Prozesse der ersten drei Lebensjahre geliefert, die in Teilen auch empirisch bestätigt wurden.Dem Säugling ist übrigens (fast) egal „wer“ seine Mutter ist, Hauptsache eine Mutterperson ist vorhanden, die sich ausschließlich und regelmäßig um ihn kümmert, alles andere ist soziales Lernen, der Rest: Mythologie.

Wie tief Bindungen zu einer Mutterperson im Säuglingsalter wirken, zeigt das folgende Beispiel. So ist es die Regel, dass Kinder selbst misshandelnde Mütter diese Fremden vorziehen, das heißt aber natürlich nicht es gutzuheißen; das Schlimmste ist in jedem Fall, gerade im ersten Lebensjahr (gilt bis zum dritten Lebensjahr), irgendwelches hin und her. Gezerre, so dass das Kind seine Bindungsfähigkeit verliert, dann ist es für immer geschädigt; das geht von Borderline-Syndrom bis zur Schizophrenie in extremen Fällen; Adoption ist eines der wenigen Möglichkeiten den Hospitalismus zu kompensieren bzw. die schlimmsten Folgeerkrankungen zu vermeiden.

Erstmals bemerkt wurde der psych. Hospitalismus (von Anstaltskindern) von dem deutschen Kinderarzt von Pfaundler, zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Psychologischer Hospitalismus kann uns aber alle auch wieder in Seniorenheim erwarten, dass ist aber ein anderes Thema.

Und für alle, die jetzt glauben, das kann in den Kinderheimen von heute nicht mehr passieren sei gesagt: Deprivationssyndrom- Symptome können und wurden auch an Familienkindern beobachtet, das heißt die familiären Verhältnisse – quer durch alle sozialen Schichten – waren dann dort so desolat, dass diese Kinder unter den seelischen und sozialen Entbehrungen so leiden mussten und müssen, dass sie die gleichen Symptome wie die beschriebenen Heimkinder entwickelt haben.

©: C-B