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Erste Gedanken – C-B

4 Jahren ago

549 words

Nicht erinnern bedeutet nicht Vergessen (können).

Ein Beispiel dazu: Obwohl ich keine aktive Erinnerung (Bewusstsein) an meine Heimzeit habe, habe ich bis heute „Jactatio corporis“, dass viel zitierte Kopfwackeln vor dem Einschlafen. Das ist vielleicht das offensichtlichste Hospitalisirungssymptom, welches mir geblieben ist.

Es sind oftmals „Kleinigkeiten“, die man auch als „Macken“ wahrnehmen kann, ein Beispiel: motorische Entwicklungsverzögerung bis Entwicklungsstörung; räumliches Denken, Schwierigkeiten beim abstrakten Denken etc. etc.

Mit meiner Adoptivmutter habe, sie war hoch in den 70er Jahren und ich war in den 40ger Jahren, eigentlich zum ersten Mal über die erste Zeit zu Hause geredet. Da kam einiges ans Tageslicht, was sie selbst nie wahrgenommen haben.

Zum Teil schlicht Folgen der Heimdisziplin. Ein Beispiel, klapperte meine Mutter mit Schüsseln kam ich, egal zur welchen Uhrzeit in die Küche und habe mich hingesetzt. Ein Rotkohl war für mich ein Lubbalon. Sprache weit unter den Möglichkeiten eines Dreijährigen. Das Wort „ich“ kannte ich nicht, sondern habe mich immer selbst beim Namen genannt. „C- B“ möchte noch. Gegessen habe ich immer als gäbe es morgen nichts mehr.

Ich habe ohne medizinischen Grund zu Beginn sehr oft hoch gefiebert und Fieberkrämpfe gezeigt. Kaum zu Hause kam ich ins Krankenhaus. Eine Routine Operation (Polypen), die man verschleppt hatte. Ich weiß heute noch, welche Ängste ich in diesem Krankenhaus durch gestanden habe, obwohl mich meine Eltern täglich besuchten.

Im Krankenhausbericht steht, dass das Kind „C- B“ apathisch im Bett liegt. Auch das völlige Nichterinnern an eine dreijährige Heimzeit ist eher ungewöhnlich.

Bis zur Pubertät hatte ich ziemlich Ruhe, da wurde viel aufgeholt, obgleich meine motorischen Defizite für mich heute schon ersichtlich sind. So richtig ging es in der Pubertät los, wenn ich heute meine Sturm & Drang-Lyrik lese, lese ich die mit ganz anderen Augen.

Und da gab es noch einiges, was ich früher nie in dem Zusammenhang mit meiner Zeit im Kinderheim gesehen habe. Äußerlich lief bei mir alles glatt, wie oben gesagt, läuft es noch immer, aber wenn ich ganz ehrlich bin, aber das will ich hier mal nicht sein.

Was wäre geworden, wenn ich nicht adoptiert worden wäre? Ein Resümee:

Ich glaube nicht, dass ich der wäre, der ich bin, wenn ich nicht adoptiert worden wäre. Mit Sicherheit wäre ich eines der Heimkinder geworden, die bis zum 18 Lebensjahr im Heim geblieben wären.

Die leibliche Mutter in den USA, der leibliche Vater in Italien, die leibliche Mutter mit meinen übrigen Halbgeschwistern übrigens, mein leiblicher Vater mit seiner schon vor mir bestehenden Familie, die nach meiner Geburt und einer gewissen Karenzzeit dann noch mal erheblich gewachsen ist (in Italien gab es damals keine Scheidung).

Mit Sicherheit kann ich sagen, dass ich den Kinderheimen der 60er und 70er Jahren, wie so viele andere, emotional und vielleicht auch auf anderen Gebieten zu Grunde gegangen wäre. Dass ist übrigens auch eine zentrale Verantwortung gegenüber denen, die bleiben müssten, die weniger Glück hatten.

Vielleicht noch soviel, 2003 bin ich in Südafrika in einem Kinderheim für sog. Aids-Waisenkinder gewesen (nicht als Tourist). ich habe „live erlebt“, was Deprivation und Hospitalismus bedeutet. Gestern wie Heute.